Gender Mainstreaming

Beim ersten Kontakt mit dem Begriff „Gender Mainstreaming“ fragt man sich gleich „Was ist das?“ und „Gibt es kein deutsches Wort dafür?“.

Gender Mainstreaming ist englisch und tatsächlich gibt es für beide Worte keine Übersetzung, die mit weniger als 5-10 Worten auskommt, und so hat man sich entschieden, den Begriff einfach zu übernehmen.

„Gender“ bezeichnet die gelernten Geschlechtsrollen von Frauen und Männern - im Gegensatz zu den biologischen (das heißt auf englisch „Sex“). Dabei geht es also um alle Merkmale, die Mann bzw. Frau sich im Laufe eines Lebens durch Erziehung, durch den Druck der Gesellschaft und dadurch, dass er/sie in einer bestimmten Kultur aufwächst, aneignet.

 

Der „Mainstream“ (wörtlich übersetzt der Hauptstrom - vielleicht kennt Ihr den Begriff schon aus der Popmusik) ist ein Gerüst aus Ideen und Praktiken, die bestimmen, wer wann was entscheidet und wer Zugang zu welchen Ressourcen (z.B.: Geld, Macht, Bildung,

Nahrung... ) hat.

 

Und was bedeutet jetzt Gender Mainstreaming?

Es ist der Auftrag an alle Personen, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen, Bedürfnisse und Lebenslagen von Frauen und Männern gleichmäßig und von vornherein zu berücksichtigen.

 

Doing Gender

Hinter dem Konzept „Gender Mainstreaming“ steckt die Idee, dass die Welt nicht unveränderlich ist, sondern von jedem einzelnen von uns gestaltet wird - d.h., wir erhalten unsere Identität als Männer und Frauen nicht, weil wir zwei X-Chromosomen oder ein X- und ein Y-Chromosom haben, sondern vor allem, weil wir im Laufe eines Lebens viele Botschaften von Außen (Eltern, Schule, Religion, Jugendrotkreuz?) darüber erhalten, was Frauen und was Männer sind, und dann bauen wir uns daraus eine Identität zusammen. Diesen Vorgang nennt man „Doing Gender“. Und da wir die Identitäten selbst bauen, heisst das auch, das wir sie wieder umbauen können, und da wird es spannend.

Welche Verhaltensweisen beurteilen wir denn als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“?

männlich: stark, rational, durchsetzungsstark, handlungsorientiert, karriereorientiert,...

weiblich: emotional, sozial, harmonisierend, tröstend,familienorientiert,...

 

Das kennen wir ja schon - oder etwa doch nicht?

Gender Mainstreaming ist nicht dazu da, die Frauenquote zu erhöhen oder um spezifische Maßnahmen für Frauen zu organisieren. Im Gegenteil: Gender Mainstreaming betrifft alle und deswegen sind auch alle für die Umsetzung verantwortlich. Und zwar nicht erst, wenn ein Problem bereits da ist, sondern schon vorher. Aber spezielle Maßnahmen für Frauen wird und soll es weiterhin geben.

 

Warum machen wir das? ...und warum gerade jetzt?

1) Wir wollen den Leitsatz 9 in unserer Arbeit aktiv umsetzen: „Geschlechtsspezifische Aspekte finden in den Formen der JRK-Arbeit Berücksichtigung.“

2) Wir wollen die Angebote des JRK bewusst für Mädchen/ Frauen und Jungen/ Männer anbieten.

3) Durch die Umsetzung von Gender Mainstreaming überdenken wir unsere Ziele und Prozesse. Das führt zu einer Qualitätssicherung und Qualitätssteigerung unserer Arbeit.

4) Die Umsetzung von Gender Mainstreaming ist gesetzlich vorgeschrieben. So müssen wir z.B. bei der Beantragung von Fördermitteln für Veranstaltungen vorweisen, inwiefern wir Gender Mainstreaming bei unserer Arbeit bereits berücksichtigen und umsetzen.

 

Wie sieht das nun konkret aus?

Nehmen wir einmal an, ihr wollt ein Zeltlager für Mädchen und Jungen organisieren und möchtet es so gestalten, dass beide Geschlechter zufrieden sind - ihr wollt also Gender Mainstreaming berücksichtigen. Was müsst ihr tun? Bei allen Punkten, die ihr für das Zeltlager organisieren müsst, müsst ihr euch nun überlegen, ob ihr damit Mädchen und Jungen gleichermaßen ansprecht.

Hier ein paar Beispiele:

- Thema/ Motto: steht das Zeltlager unter einem bestimmten Thema/ Motto, das sowohl Mädchen als auch Jungen anspricht?

- Angebote: bietet ihr Aktivitäten an, bei denen sowohl Jungen als auch Mädchen gerne mitmachen?

- Örtlichkeiten: ist das Gelände „mädchen- und jungenfreundlich“ im Bezug auf Übernachtungsmöglichkeiten, sanitäre Anlagen, Außengelände, Beleuchtung bei Dunkelheit, Rückzugsmöglichkeiten, ...

- Betreuung:sind sowohl weibliche als auch männliche Betreuer dabei? (möglichst in gleicher Anzahl)

- Verpflegung:   gibt es vegetarisches und nicht-vegetarisches Essen?

- Regeln: sind die Regeln so festgesetzt, dass weder Mädchen noch Jungen benachteiligt werden?

- Auswertung: Wie war das Zeltlager? Waren Jungen und Mädchen zufrieden? Warum/ warum nicht? Waren gleich viele Mädchen wie Jungen dabei? Warum/ warum nicht?


 
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